Leitbild

Teil I -- Präambel: Volk Gottes unterwegs

Grundlage der Pastoral im Dekanat Trier ist Person und Botschaft Jesu Christi. Diese Pastoral orientiert sich an der Lehre der katholischen Kirche und an den Vorgaben des Bischofs. Sie folgt dem Bild des Zweiten Vatikanischen Konzils von der Kirche als "Volk Gottes unterwegs". Die Erfahrung des Volkes Israel als wanderndes Volk Gottes beginnt mit dem befreienden Aufbruch aus Ägypten. Diese Metapher macht deutlich, dass die Kirche - dem Ruf Gottes zum Aufbruch folgend (vgl. Joh 15,16) - sich auf den Weg machen will, um die Dynamik der modernen Gesellschaft und die Frage nach dem Menschen selbst aufzugreifen (vgl. Gaudium et Spes 5 und 10). Mit der Betonung des Volkes Gottes als Gemeinschaft aller Getauften wird deutlich, dass grundlegend alle zusammen für die Kirche verantwortlich sind. Das kann nur gelingen, wenn wir uns als Kirche verstehen, die die Charismen aller Getauften ernst nimmt und fördert.

Glauben und Leben sind untrennbar miteinander verbunden

Gott ist Mensch geworden und teilt das Leben der Menschen. Deshalb teilt auch die Kirche das Leben der Menschen, wie das Zweite Vatikanische Konzil programmatisch feststellte: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren Herzen seinen Widerhall fände." (Gaudium et Spes 1). Glaube lebt nur, wenn er in das Leben der Menschen inkulturiert ist. Dazu ist es notwendig, sich mit den Kennzeichen heutiger Kulturen intensiv auseinanderzusetzen. So kann der Glaube ein Angebot sein, das im eigenen Leben heilsam, befreiend und erlösend erfahren wird.

Subsidiarität

Das Dekanat handelt subsidiär und unterstützt die Pastoral der Pfarreien und Pfarreiengemeinschaften. Dies wird insbesondere durch die Arbeit der Pastoralreferentinnen und -referenten auf der Dekanatsebene ermöglicht. Umgekehrt tragen die Pfarreien / Pfarreiengemeinschaften die Arbeit im Dekanat. Jeder Seelsorger / jede Seelsorgerin wirkt bei den Aufgaben des Dekanates mit. Subsidiarität bedeutet auch, dass das Dekanat insbesondere andere Orte von Kirche in den Blick nimmt und unterstützt. Solche anderen Orte von Kirche gibt es innerhalb der Pfarreien / Pfarreiengemeinschaften und über die Pfarreien/Pfarreiengemeinschaften hinaus. Sie orientieren sich an den Lebensräumen der Menschen.


Im laufenden Jahr 2014 wurden die Ziele im Bereich der Grunddimensionen von Arbeitsgruppen der Dekanatskonferenz erarbeitet und von der Dekanatskonferenz nacheinander beschlossen. Bei der Klausurtagung des Dekanates Anfang Dezember 2014 wurde die Umsetzung der Ziele in die Pastoral des Dekanates in den Blick genommen und das weitere Vorgehen verabredet.


Teil II -- Zielbereich Koinonia

Gott hat alle Menschen als sein Ebenbild auf Gemeinschaft hin geschaffen. In der Taufe werden sie in die Gemeinschaft der Kirche und damit in die Gemeinschaft der Glaubenden aufgenommen. Diese lebt von der Unterschiedlichkeit der einzelnen Menschen und der Vielfalt der Charismen, die sie in die Gemeinschaft einbringen, gerade auch in die vielfältigen kirchlichen Orte - und zwar im Sinne der Verpflichtung zu Teilgabe und Teilnahme.

Bisher Erreichtes

  • Die fusionierten Pfarreien bzw. Pfarreiengemeinschaften sind nach der Zusammenlegung auf dem Weg, christliche Gemeinschaft neu erfahrbar werden zu lassen. Dabei sind sie bisher unterschiedlich weit gegangen.
  • Vom Dekanat mitgetragene Veranstaltungen wie z. B. das Weltbürgerfrühstück mit dem Netzwerk Weltkirche, Angebote für Jugendliche oder die Studienfahrten der kfd fördern das Miteinander über die eigene Pfarrei hinaus.
  • Durch den bistumsweiten Leitbildprozess wurde in den Kitas im Dekanat das Selbstverständnis verankert, ein wichtiger kirchlicher Ort zu sein, der in Verbindung mit anderen kirchlichen Orten im Verbund der Pfarrei steht.
  • Das Dekanat entspricht den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung und ihren Familien in der Vorbereitung und Feier der Erstkommunion und Firmung und schafft entsprechende Angebote in Zusammenarbeit mit einzelnen Pfarreien (St. Ambrosius, Gehörlosengemeinde).
  • Die Mitarbeit im Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit würdigt die gemeinsamen Wurzeln, fördert das Miteinander und findet Ausdruck im christlich-jüdischen Gottesdienst in der Fastenzeit.
  • Kooperation der Hauptamtlichen auf der Ebene des Dekanates braucht neben der sachlichen Zusammenarbeit in bestimmten Arbeitsfeldern auch informelle Treffen und Begegnungen. Dazu dient der jährliche Ausflug der Dekanatskonferenz, das Konveniat am Abend der zweitägigen Klausurtagung und informelle Treffen innerhalb der unterschiedlichen Berufsgruppen zur Pflege des Miteinanders.

Ziele

  • Die Dekanatskonferenz stellt sich dieser Verpflichtung und reflektiert ihr Gemeinschaftsverhältnis. Dafür nimmt sie sich mindestens einmal im Jahr ausreichend Zeit.
  • Die Dekanatskonferenz klärt ihr Verständnis von Kooperation und fördert entlastende Zusammenarbeit im Dekanat.
  • Das Dekanat unterstützt im Blick auf Nöte, Bedürfnisse und Interessen der Menschen auch pfarrübergreifende Projekte und verschiedene kirchliche Ort.

 


 

Teil III -- Zielbereich Diakonia

Seit den Anfängen der Kirche gehört zu den unverzichtbaren Aufgaben der Dienst an den Nächsten. "Eine Kirche, die nicht dient, dient zu nichts" (nach Jacques Gaillot). Dieser Dienst hat viele Gesichter: das schlichte Dasein für Menschen in Not, der Aufbau von Hilfsangeboten und Maßnahmen zur Unterstützung, bis hin zum Einsatz für eine gerechte Gesellschaft.

Bisher Erreichtes

  • Im Dekanat Trier werden vielfältige Aufgaben im caritativen Bereich vom Caritasverband oder anderen sozialen Einrichtungen oder in Kooperation mit diesen wahrgenommen. Viele Menschen in den Pfarreien/Pfarreiengemeinschaften engagieren sich gerade in diesem Bereich auf vielfältige Art und Weise. 
  • Die Fachkonferenz Soziales vernetzt caritative Einrichtungen mit der Pastoral.
  • Durch die jährlichen Oasentage auf der Dekanatsebene wird dieses Engagement unterstützt.
  • Die Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger haben eine Vertreterin in die Dekanatskonferenz entsandt.
  • Die jährliche Bolivienkleidersammlung führt Jugendliche an die Bolivienpartnerschaftsarbeit heran.

Ziele 

  • Das Dekanat trägt Sorge für Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung sowie für geistliche Begleitung der Ehrenamtlichen in den karitativen Diensten.
  • Das Dekanat Trier erarbeitet einen Überblick über das Wirken der "nichtkirchlichen Sozial-Partner als Netzwerker im Dienst am Menschen" und erkundet Möglichkeiten der Zusammenarbeit.
  • Das Dekanat Trier unterstützt die regional und ökumenisch aufgestellte Notfallseelsorge.
  • Das Dekanat sorgt für Vernetzung der Initiativen im Bereich der Willkommenskultur für Flüchtlinge und stößt neue Projekte an.

 


Teil IV -- Zielbereich Martyria

Das Dekanat fördert eine evangelisierende Kirche, die auf dem Gebiet der Stadt zu allen Menschen Kontakt sucht, ihnen das Evangelium vorschlägt (im Sinne des "proposer la foi"), sich für Ökumene und interreligiösen Dialog einsetzt sowie das Gespräch in und zwischen unterschiedlichen Milieus fördert. Verkündigung ist sich dabei bewusst, dass Gott in jedem Menschen bereits gegenwärtig ist und es deshalb unsere Aufgabe ist, ihn dort gemeinsam mit den Menschen zu entdecken. Evangelisierung in diesem Sinne ist daher niemals Einbahnstraße, sondern Bereicherung für alle. 

 

Bisher Erreichtes

  • Das Dekanatskonzept zum Erwachsenenkatechumenat hat sich in den letzten Jahren bewährt. In jedem Jahr wird eine Gruppe von Erwachsenen auf ihrem Weg zu den Sakramenten des Christwerdens begleitet.
  • Im Rahmen der Firmvorbereitung bietet das Dekanat die Möglichkeit des Austausches für die Verantwortlichen und macht ergänzende Angebote für die Firmbewerberinnen und -bewerber.
  • Die pastorale Begleitung der Erzieherinnen und Erzieher unterstützt die Verbindung von Leben und Glauben in der pastoralen und pädagogischen Arbeit der Kitas.
  • Zahlreiche Bildungsangebote auf der Dekanatsebene wissen sich dem Aspekt der geistlichen Bildung für Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen und -aufgaben verpflichtet.
  • Die geistliche Begleitung von kfd, SkF und FBS ist strukturell auf der Dekanatsebene angesiedelt.
  • Verschiedene Veranstaltungen und die Begleitung dienen der Unterstützung der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Räten.
  • Die Bildungsangebote im Bereich der Ehe- und Paarbegleitung stärken Familien in ihrem Christsein.
  • Die Seelsorgerinnen und Seelsorgern nehmen sich Zeit für gemeinsame Recollectiones auf Dekanatsebene. Die jährliche Klausurtagung beginnt jeweils mit einem entsprechenden halben Tag. Eine zweite Recollectio findet in der Fastenzeit statt.

Ziele

  • Das Dekanatsteam bietet eine Plattform für den Austausch über Konzepte der Sakramentenpastoral.
  • Wir streben Vernetzung und Ausbau der Schulpastoral an.
  • Wir untersuchen wie und wo wir als "Kirche in der Stadt" mit Themen, Orten und Formaten präsent und sichtbar sind und wo nicht und wir fragen nach den Bedürfnissen und Wünschen der Menschen. Daraus ziehen wir Konsequenzen.

 


 

Teil V -- Zielbereich Liturgia

Wenn Christinnen und Christen sich zur Eucharistiefeier und zu anderen liturgischen Feiern versammeln, ist dies Kraftquelle und Höhepunkt christlichen Lebens und kirchlicher Gemeinschaft. Ein vielfältiges gottesdienstliches Angebot bringt den Reichtum des Gotteslobes und die unterschiedlichen Charismen und Lebensrealitäten der Christinnen und Christen zum Ausdruck. Es eröffnet Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen Räume der heilsamen Gottesnähe.

Bisher Erreichtes

  • Neben der Liturgie in den Pfarreien/Pfarreiengemeinschaften bereichern verschiedene liturgische Feiern in der Stadt das gottesdienstliche Leben in Trier:
  • In ökumenischen Gottesdiensten z.B. am Pfingstmontag, am Buß- und Bettag, am Weltgebetstag der Frauen und bei den Andachten "Getrennt-Getröstet" wird die schon mögliche Gemeinschaft mit der evangelischen Kirche gefeiert.
  • Die Pfarreien des Dekanates beteiligen sich an den Maimessen an der Maria Hilf Kapelle.
  • Die jährliche Dekanatswallfahrt nach St. Matthias führt Gläubige der Stadt zusammen.
  • Die Hauptamtlichen sind zur Mitfeier des Ewig Gebetes in den Pfarreien eingeladen.

Ziele  

  • Im Dekanat findet zweimal im Jahr ein Austauschforum (für die Mitglieder der Dekanatskonferenz) zu liturgischen Fragen statt.
  • Im Dekanat finden begleitende und wertschätzende Angebote für Menschen in liturgischen Diensten statt.
  • Das Dekanat klärt das bestehende Angebot sowie den darüber hinaus gehenden Bedarf für zielgruppenorientierte Gottesdienste und eröffnet den Raum, neue Formen zu entwickeln und zu erproben. Zur Veröffentlichung richtet das Dekanat eine entsprechende Plattform ein.

 


Teil VI -- Arbeit und Zusammenspiel der Gremien

Dekanatskonferenz und Dekanatsrat

Weder die Ordnung für die Dekanate noch die Geschäftsordnungen der Dekanatsgremien sehen irgendeine Form von Vernetzung oder Zusammen­spiel der Dekanatskonferenz und des Dekanatsrates vor. Der Zusammen­hang zwischen beiden Gremien liegt in den Personen des Dechanten, des Dekanatsreferenten und des Definitors. Dennoch erscheint es wichtig, eine Möglichkeit des Austausches auf breiterer Basis zu ermöglichen - gerade auf dem Hintergrund der Er­fahrung, dass die regulären Sitzungen kaum Möglichkeiten der Berichte aus dem jeweils anderen Gremium bieten. Daher sollte es nach Bedarf gemeinsame Veranstaltungen beider Gremien geben, die einen Austausch zu einem inhaltlichen Schwerpunkt ermöglicht, der jeweils aus der Arbeit eines Gremiums erwächst.

Fachkonferenzen

Die vom Bistum vorgesehene Geschäftsordnung für die Fachkonferenzen formalisiert die Arbeit so stark, dass deren Anwendbarkeit von den Fach­konferenzen im Einzelnen zu überprüfen und für die eigene Arbeit ent­sprechend zu beschreiben ist. Arbeitsweise und Dokumentation der Arbeit der Fachkonferenzen werden jeweils mit den Beteiligten abgesprochen. Nicht immer sind lang­fristige schriftliche Einladung und formales Protokoll (wie in der Geschäftsordnung benannt) sinnvoll und notwendig. Unter Umständen sind kurze Verständigungen auf elektronischem Weg und Gesprächsnotizen der Arbeit in der Fachkonferenz förderlicher. Es soll jeweils nach größt­möglicher Effizienz und Praktikabilität entschieden werden. Jeweils zur jährlichen Klausurtagung erhalten die Mitglieder der Dekanatskonferenz einen schriftlichen Bericht der Fachkonferenzen, der die Arbeit des abge­laufenen Jahres dokumentiert und die Perspektiven der Arbeit für die Zukunft aufzeigt. Diese Berichte würdigt die Dekanatskonferenz und nimmt ggf. Korrekturen für die weitere Arbeit vor.

Leitung im Dekanat

Gemäß der Ordnung für die Dekanate vom 15. März 2004 (KA, Nr. 71) ist der Dechant der vom Bischof ernannte Leiter des Dekanates. Im Dekanat Trier werden die unter § 4, 3 angegebenen Aufgaben des Dechanten soweit wie möglich in einem Team wahrgenommen. Das Team besteht derzeit aus dem Dechanten, dem Definitor, den Pastoralreferentinnen und -referenten, die auf der Ebene des Dekanates eingesetzt sind und der Dekanatsreferentin. Der Dechant leitet das Team. Die Arbeit des Teams folgt dem Prinzip der Kollegialität, dient der gegen­seitigen Entlastung und fördert die Kreativität und Vielfalt in der Arbeit des Dekanates. Wöchentlich findet ein Dienst- und Planungsgespräch statt, bei dem der aktuelle Stand der Arbeit im Dekanat, konkrete Planungen in einzelnen Arbeitsbereichen und anstehende Fragen (z. B. aus dem Dekanatsrat) besprochen werden. Außerdem ist das Team verantwortlich für die Vor­bereitung der Sitzungen und der Klausurtagung der Dekanatskonferenz, für die Planung der Recollectiones und für Absprachen, wer das Dekanat bei Veranstaltungen und in bestimmten Gremien vertritt (dauerhafte Delegationen oder Einzelfallvertretungen).

Pfarrerkonferenz

Die Pfarrerkonferenz ist das Dienstgespräch des Dechanten mit den Pfarrern. Sie dient dem Austausch und der Verständigung über Fragen der Seelsorge in den Pfarreien/Pfarreiengemeinschaften und zu Absprachen. Die Vernetzung mit Dekanats­konferenz und Dekanatsrat liegt in den Personen der Pfarrer, bzw. des Dechanten. Er achtet darauf, dass die Pfarrerkonferenz weder die Dekanatskonferenz noch das Leitungsteam des Dekanates ersetzt.